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Hierzulande in aller Munde
Der Apfel – ein süß-saurer Verführer seit Adam und Eva
Von Wulf Wager

Der Apfel gehört zu den ältesten kultivierten Obstarten. Hierzulande lässt sich seine frühe Verwendung in Haus und Küche bereits in 6000 Jahre alten Funden nachweisen, die Achäologen in einer Bandkeramikersiedlung bei Heilbronn gemacht haben. Die Kulturgeschichte des Apfels hält aber – insbesondere für Württemberg – noch mehr Bemerkenswertes bereit.

„Und das Weib sah, dass von dem Baum gut zu essen wäre und dass er eine Lust für die Augen wäre und verlockend, weil er klug machte. Sie nahm von seinen Früchten und aß; sie gab auch ihrem Mann, der bei ihr war, und auch er aß.“ (Genesis 3,6)

Die Kulturgeschichte des Apfels beginnt natürlich zunächst nicht in Schwaben, sondern in der christlich-römischen Antike: Vom Jahr 384 an hat Hieronymus, theologischer Berater von Papst Damasus I., das in Altlatein und Altgriechisch geschriebene Neue und Alte Testament in lateinischer Sprache überarbeitet. Schon in diesem Vulgata genannten Bibeltext kommt zum Ausdruck, dass es die Schlange war, die Eva verführte, vom Baum der Erkenntnis des Guten und Bösen zu essen. Allerdings ist in der entsprechenden Textstelle gar nicht vom Apfel die Rede, sondern allgemein von einer „Frucht“. Ein Zusammenhang zum Apfel wurde erst viel später hergestellt, vermutlich, da es im Lateinischen Wörter gleicher Schreibweise gibt, die gleichwohl von ganz unterschiedlicher Bedeutung sind: So heißt „malum“ sowohl Apfel, als auch Böses. Da der Apfel-dank seiner prallen Form und seiner Farbe-überdies manch einen an die weibliche Brust erinnerte, kam bald die Deutung hinzu, dass der Apfelbaum und seine Frucht den Anlass zur verhängnisvollen Ursünde geboten haben müsse. So geriet der Apfel, vor allem im Mittelalter, zum Symbol der Sinnenreize und der sündigen Sinnlichkeit.

Des Deutschen liebstes Obst wird also seit jeher mit allerlei Bedeutung aufgeladen, was auch in vielen alltäglichen Sinnsprüchen zum Ausdruck kommt: „Der Apfel fällt nicht weit vom Stamm“, „Verbotene Äpfel sind süß“, „Für einen Apfel und ein Ei sein Haus verkaufen“, „Der Zankapfel“, „Etwas hüten wie seinen Augapfel“, „In den sauren Apfel beißen“ und, und, und. In der schon angesprochenen christlichen Symbolik steht die Gestalt des Apfels neben der Verführung auch für das Erdenrund. Der Reichsapfel, ein Sinnbild der Erdkugel, ist in dieser Tradition ein Symbol der Weltherrschaft. Bei christlichen Herrschern ist der Apfel meist noch mit dem Kreuz gekrönt. So lag einst auch nahe, dass man den ersten Globus (noch ohne Amerika und Australien), den Martin Behaim 1492 in Nürnberg schuf, als „Erdapfel“ bezeichnete.

Zum Symbol der Freiheit avancierte der Apfel dann durch den schweizerischen Nationalhelden Wilhelm Tell. 1308 erschoss er mit der Armbrust in einer hohlen Gasse bei Küssnacht den tyrannischen Habsburger Landvogt Gessler, weil dieser ihn gezwungen hatte, einen Apfel vom Kopf seines Sohnes zu schießen. Friedrich Schiller hat 1804 im „Wilhelm Tell“ dieses Thema meisterhaft aufbereitet. Der persönliche Bezug, den der Dichter zu diesem Obst hatte, liegt auf der Hand: Schillers Vater, Johann Kaspar Schiller, war der Schöpfer der herzoglichen württembergischen Baumschulen auf der Solitude bei Stuttgart und beim Gut Einsiedel bei Tübingen. Er schrieb 1767/68 in seinen Betrachtungen über die Landwirtschaft im Herzogtum Württemberg: „Die Baumzucht verschafft denjenigen, die sich damit bemühen, einen angenehmen Teil ihrer Nahrung. Sie gereichet zur Zierde eines Landes, zur Reinigung der Luft, zum Schutz und Schatten und hat überhaupt in vielen anderen Dingen ihren trefflichen Nutzen, zur Nothdurft, Lust und Bequemlichkeit des Lebens für Menschen und Thiere.“ Wie wahr.

In der mittelalterlichen Küche war hierzulande der Holzapfel, eine wilde Apfelart, wichtiger Lieferant einer sauren Essenz, mit der man Salate würzte und Speisen konservierte. Auch die Kochbücher des 16. Jahrhunderts leiten dazu an, mit Holzäpfeln zu säuern. Heute ist der Obstessig – aus eingeschlagenen Äpfeln und nicht aus Most hergestellt – wohl wegen seines guten Geschmackes sehr beliebt. Während andere Früchte nur kurze Zeit frisch zu halten sind und gelagert schnell verderben, ist gerade beim Apfel der keimungshemmende Stoff Blastokolin besonders stark entwickelt. Er schützt die Frucht selbst vor Fäulnis, hält sie viele Monate lang frisch und essbar und kommt auch dem Apfelesser zugute.

Ist vom Apfel in Württemberg die Rede, kann der Most nicht weit sein: Gleichwohl führte das vergorene Apfelgetränk in großen Teilen Altwürttembergs lange Zeit ein Schattendasein, was vor allem in der enormen Ausdehnung des Weinbaues hierzulande begründet war. Das Wort „Most“ geht auf die Römer zurück, die den jungen Wein „vinum mustum“ nannten. In seiner Generalverordnung gegen das Obstmosten war es Herzog Eberhard III, der 1650 seinen Untertanen das Obstmosten sowie die Bierherstellung verbot. Er wollte damit den im Dreißigjährigen Krieg stark zurückgegangenen Weinbau stärken. Vielleicht spielte aber auch eine Rolle, dass der Wein dem sogenannten Großen Zehnten unterlag, der den Staatssäckel nährte, während der Most zum Kleinen Zehnten zählte, der dem Klerus zufloss. Erst 1776 hob Herzog Carl Eugen das Most-Verbot auf. Ende des 19. Jahrhunderts erlebte der Obstbau im Land dann einen kräftigen Aufschwung, weil die Reblaus, die 1860 aus Nordamerika eingeschleppt worden war, den Weinbau in die schwerste Krise aller Zeiten gestürzt hatte. Viele Weinberge wurden damals zu Obstwiesen umfunktioniert. Erst jetzt avancierte der Most zum schwäbischen Nationalgetränk.

Übrigens: Die im Schwäbischen gebräuchliche Redewendung „Wissen, wo der Barthel den Most holt“, hat wohl nichts mit dem Getränk zu tun. Sie entstammt der mittelalterlichen Gaunersprache, dem Rotwelsch. Der Barthel oder Barsel bezeichnete darin das Brecheisen, und Most leitet sich in diesem Zusammenhang ab von „Moos“, das sind kleinere, hebräische Münzen. Der Spruch beschreibt also, dass der Gauner weiß, wo er mit dem Brecheisen zu Geld kommen kann.

Aber zurück zum Apfel: Dass dieses Obst gesund ist, weiß man schon lange. Schon Paracelsus von Hohenheim (1493–1541) empfahl seinen Patienten, monatlich einmal einen Apfeltag zur Reinigung und Auffrischung des Körpers einzulegen. Früher konnte man Salat oder Gemüse nicht den ganzen Winter über kaufen oder vorrätig halten. Doch fast jede Familie hatte eine Apfelhurde zur übersichtlichen Lagerung der Früchte im Keller: Das Holzgestell mit Äpfeln bot Vitamine und Mineralstoffe an und war sozusagen die Apotheke des kleinen Mannes. Nicht umsonst hieß es: „Ein Apfel jeden Tag, schützt vor mancher Plag.“ Und das gilt natürlich auch noch heute.